Infos und Aktuelles

14.02.2012

NHS privatisiert erstmals ein ganzes Krankenhaus

Die Privatisierung des staatlichen britischen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS) schreitet weiter voran. Erstmals in der Geschichte Großbritanniens wird jetzt ein vormals staatliches Krankenhaus komplett in den Privatsektor überführt und soll damit sowohl effizienter als auch patientenfreundlicher werden.

Wie ein Sprecher des Londoner Gesundheitsministeriums auf Anfrage der zm bestätigte, werde das Hinchingbrooke Hospital (Grafschaft Cambridgeshire) in diesem Jahr von dem privaten Betreiber Circle übernommen. Bislang wird die Klinik, die 1.700 Ärzte, Krankenpfleger und weiteres Personal beschäftigt, vom NHS geführt. Das Krankenhaus macht seit Jahren Minus, weil es nicht ausgelastet ist.

Nun zogen Gesundheitspolitiker die finanzielle Notbremse. "Wir sind optimistisch, dass ein privater Betreiber die Klinik wieder zurück in die Gewinnzone führen kann", sagte ein Sprecher der lokalen Gesundheitsverwaltung von Cambridgeshire. "Circle hat einen überzeugenden Sanierungsplan vorgelegt."

Der neue Betreiber beabsichtigt, das medizinische Versorgungsangebot zu verbessern, neue diagnostische und therapeutische Angebote zu offerieren. Außerdem sollen die Krankenzimmer und OPs modernisiert und attraktiver gestaltet werden. Dafür wurde der Londoner Star-Architekt Lord Norbert Foster bestellt. Die Patientenverpflegung soll ebenfalls verbessert werden, indem ein Michelin-Caterer an Bord geholt wird.

Erste Komplett-Privatisierung in der NHS-Geschichte

Das Hospital litt zuletzt an einem Patientenmangel. Lokale Hausärzte überwiesen ihre Patienten zu selten, da sie nicht von der Qualität der angebotenen Leistungen überzeugt waren. Die neue Klinikleitung hofft jetzt, dass dank eines verbesserten Versorgungsangebots zukünftig wieder mehr Patienten in die Klinik kommen.

Es ist das erste Mal in der fast 64-jährigen NHS-Geschichte, dass ein staatliches Krankenhaus komplett von einem privaten Betreiber übernommen wird. Gesundheitspolitische Beobachter wiesen darauf hin, dass die Privatisierung Modellcharakter haben könnte, sollte sie erfolgreich sein.

Ärztliche Berufsorganisationen stehen dieser neuen Gesundheitspolitik der Regierung Cameron eher kritisch gegenüber. Eine Sprecherin des größten britischen Ärzteverbandes BMA warnte in London vor einer "scheibchenweisen Privatisierung unseres Gesundheitsdienstes". Freilich: In der britischen Zahnmedizin wird heute bereits ein Großteil der Patienten ausschließlich privat therapiert.

 

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02.02.2012

Novelle der Apothekenbetriebsordnung im Kabinett

Heute hat das Bundeskabinett die Novelle der Apothekenbetriebsordnung von Gesundheitsminister Daniel Bahr zur Kenntnis genommen. Der Verordnungsentwurf bedarf der Zustimmung des Bundesrates

Die geltende Apothekenbetriebsordnung wurde 1987 in Kraft gesetzt. Sie regelt die Arzneimittelversorgung und umfasst die Herstellung und Prüfung von Arzneimitteln, aber auch ihre Abgabe und die Beratung von Patienten.

Wie das Bundesgesundheitsministerium informiert, soll laut neuer Betriebsordnung die Dokumentation bei der Herstellung von Rezepturarzneimitteln verbessert werden, um deren Qualität und die Nachvollziehbarkeit der Rezepturherstellung zu erhöhen.

Außerdem sei deutlicher als bisher festgelegt, dass eine Apotheke so eingerichtet sein muss, dass die Vertraulichkeit der Beratung gewahrt und das Mithören des Beratungsgesprächs verhindert oder zumindest erschwert werde. Zusätzlich müssten Apotheken in Zukunft die Qualität der Beratung und anderer pharmazeutischer Tätigkeiten über ein Qualitätsmanagementsystem dauerhaft gewährleisten, heißt es.

Detaillierte bürokratische Vorgaben in Bezug auf Laborausstattung und wissenschaftliche Literatur würden im Gegenzug abgebaut und in die Verantwortung der Apothekenleitung gegeben. Im Rahmen der ambulanten Betreuung schwer kranker Palliativpatienten mit teils unerträglichen Schmerzen soll Ärzten zudem künftig erlaubt werden, diesen Patienten die dringend notwendigen Schmerzmittel zu überlassen, um ihnen unverzüglich und verlässlich zu helfen, so das Ministerium.

 

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30.01.2012

Verband will mehr Rechte für Pfleger - Schulterschluss mit Ärzten

Angesichts wachsender Lücken in der Patientenversorgung warnen Ärzte- und Pflege-Vertreter davor, beide Berufsgruppen gegeneinander auszuspielen. "Wir haben einen Fachkräftemangel im Gesundheitswesen", sagte der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Max Kaplan, "sowohl auf ärztlicher Seite wie auch auf pflegerischer Seite."

"Das ist ein Grund, warum beide Berufsgruppen einen Schulterschluss üben sollten", so Kaplan weiter. Für beide müssten die Arbeitsbedingungen insgesamt attraktiver werden. Der Präsident des Deutschen Pflegerats, Andreas Westerfellhaus, sagte: "Wir stehen vor der Herausforderung einer gesamtgesellschaftlichen Dimension, deren Sprengkraft in der Politik noch gar nicht angekommen ist." Die Pflegenden seien längst an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen.

Es dürfe nicht sein, dass die Konsequenz aus Tariferhöhungen für die Ärzte geringere Mittel für Pflegekräfte seien. Westerfellhaus forderte ein Berufsgesetz für Pflegende, etwa um den Kräften mehr Rechtssicherheit zu geben. Viele übernähmen heute schon mitunter riskante Aufgaben, ohne dafür ausreichend abgesichert zu sein. Zudem sollten die Fachkräfte mehr Befugnisse bekommen. Auch Kaplan sprach sich dafür aus. "Alle Dinge, die man standardisieren kann, können wir auch delegieren", sagte er. So könnten Pfleger die Ärzte bei der Diagnose und Organisation teilweise entlasten.

Der Vorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen (vedk), Thomas Ballast, sieht dagegen keinen Personalmangel im Gesundheitswesen. "Die Frage des Fachkräftemangels stellt sich aus meiner Perspektive heute noch nicht generell. Allenfalls lokal und punktuell."

 

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25.01.2012

Pflegegeld für alle Ärzte
 
Die mit der Pflegereform ab 2013 geplante Aufstockung der Gelder für die medizinische Behandlung in Pflegeheimen soll allen Vertragsärzten zugutekommen - nicht nur den Zahnärzten.

Der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums korrigierte am Freitag einen Bericht der FAZ, wonach die eingeplanten zusätzlichen 77 Millionen Euro vor allem für die zahnärztliche Therapie von Heimbewohnern ausgegeben werden sollten.

Mit diesen Millionenbeträgen will Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr erreichen, dass mehr Mediziner zu den Pflegebedürftigen nach Hause kommen und Einweisungen ins Krankenhaus vermieden werden. Mit einer Beitragsanhebung um 0,1 Prozentpunkte ab nächstem Jahr soll die Reform finanziert werden. "Absolut unzureichend" urteilen viele Wohlfahrts- und Pflegeverbände.

Problem: Viele Demenzkranke sind körperlich fit

Kritik wird an den Pflege-Eckpunkten insgesamt laut: Im Mittelpunkt der Reform stehen Demenzkranke, die zu Hause versorgt werden. Lediglich sie sollen ab 2013 je nach Pflegestufe zwischen 70 und 215 Euro erhalten. Das Problem ist aber, dass Demenzkranke anhand ihrer körperlichen Gebrechen in die Stufen eingeteilt werden, viele Betroffene aber körperlich fit sind. Sie werden Stufe null eingruppiert, müssen aber trotzdem betreut werden.

Schon seit 2009 liegt ein Vorschlag eines von Union und SPD beauftragten Beirats auf dem Tisch, der auch psychischen Beeinträchtigungen stattgibt. In Bahrs Entwurf wird diese Neudefinition ignoriert.

Streit herrscht um private Zusatzvorsorge

Eine grundsätzliche Neuordnung der Pflegeversicherung werde auf die lange Bank geschoben, zitiert die "FAS" den Deutsche Pflegerat. Das demografische Problem bleibe ungelöst. Etwa 1,2 Millionen Demenzkranke leben dem Blatt zufolge in Deutschland, ihre Zahl werde sich in den nächsten 50 Jahren verdoppeln.

Jetzt plant die Koalition, die gesetzliche Pflegekasse durch eine freiwillige private Zusatzvorsorge ergänzen. Sie soll steuerlich gefördert werden, analog der Riester-Rente. Die Opposition bezeichnet das Vorhaben als "unsolidarisch finanziert" und fordert eine von allen finanzierte Bürgerversicherung.

 

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24.01.2012

Entwurf zur Qualitätssicherung

Die Pseudonymisierung von Patientendaten dient auch in der Qualitätssicherung dem Schutz der Patienten - so kommentierte KZBV-Chef Dr. Jürgen Fedderwitz die kritischen Behauptungen der Patientenvertreter im G-BA zu dem abgestimmten Entwurf von Zahnärzteschaft und Krankenkassen für eine QS-Richtlinie in der zahnärztlichen Versorgung.

"Das Sozialgesetzbuch V scheibt in Paragraph 299 zwingend vor, dass bei Richtlinien des G-BA eine Pseudonymisierung von Patientendaten gewährleistet sein muss", sagte Fedderwitz. "Der Entwurf der Qualitätssicherungsrichtlinie, den Zahnärzte und Kassen vorgelegt haben, hält sich an diese Rechtsnorm. Die Richtlinie erstreckt sich nur auf die zahnärztliche, nicht aber auf die ambulante oder stationäre ärztliche Versorgung."

Patienten hätten laut Fedderwitz ein Recht darauf, dass ihre sensiblen Gesundheitsdaten geschützt werden und nicht frei zugänglich sind. Die Pseudonymisierung von Patientendaten diene auch im Bereich der Qualitätssicherung dem Schutz der Patienten und ihrer Rechte.

Mit dem GKV-Versorgungsstrukturgesetz sei daher folgerichtig auch eine Beteiligung der Datenschutzbeauftragten an der Weiterentwicklung der Qualitätssicherung eingeführt worden.
Maßnahmen zur Sicherung und Verbesserung der Behandlungsqualität in der zahnärztlichen Versorgung seien auch mit pseudonymisierten Patientendaten möglich.

Fedderwitz: "Zahnarztpraxen müssen dazu keine personenbezogenen Patientendaten weitergeben. Umso befremdlicher ist es daher, wenn ausgerechnet Patientenvertreter im G-BA den Schutz sensibler Patientendaten ohne Not infrage stellen."

 

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20.01.2012

Streikpläne für 600 kommunale Kliniken

Eine Woche vor dem beschlossenen Ärztestreik an den rund 600 kommunalen Kliniken in Deutschland hat die Ärztegewerkschaft Marburger Bund ihre Pläne konkretisiert. Bereits zum Auftakt am 26. Januar würden diese Krankenhäuser mit größtmöglicher Intensität bestreikt, sagte Vizechef Andreas Botzlar am Dienstag in Berlin.

Botzlar: "Es wird vom ersten Tag an einen flächendeckenden Vollstreik geben, der maximalen wirtschaftlichen Druck erzeugen wird." Planbare Operationen könnten dann nicht vorgenommen werden, hatte der Chef des Marburger Bundes, Rudolf Henke, der "Rheinischen Post" gesagt. "Das neue Kniegelenk muss warten."

Die Gewerkschaft will sechs Prozent mehr Gehalt für die nach unterschiedlichen Angaben 45.000 bis 50.000 Mediziner erreichen. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) hatte 1,48 Prozent mehr angeboten. Nur wenn der VKA ein neues Angebot vorlege, wolle man weiterverhandeln, sagte ein Sprecher der Ärzte. Dann könne ein Streik noch abgewendet werden.

 

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19.01.2012

Ärzte warnen vor neuen Finanzproblemen bei Krankenkassen

Angesichts drohender Finanzprobleme der Krankenkassen haben die deutschen Ärzte sowohl Regierung als auch Opposition leere Versprechen einer soliden Finanzierung vorgeworfen.

Die schwarz-gelbe Gesundheitsreform mit Zusatzbeiträgen ohne Obergrenze reicht aus Sicht der Bundesärztekammer (BÄK) bei weitem nicht aus, wie ihr Präsident Frank Ulrich Montgomery in Berlin deutlich machte. Weitere Konzepte gebe es bei den Regierungsparteien nicht.

Lediglich die SPD habe mit der Bürgerversicherung ein Konzept für die Zukunft vorgelegt. Dies wäre allerdings eine "Fehlentwicklung", da nicht mehr Einkommensarten in großem Stil beitragen sollen. "Wir müssen diskutieren, ob nur Löhne und Gehälter für die Beitragsberechnung herangezogen werden sollten oder nicht auch andere Einnahmen." Zudem könnten Berufstätige selbst fürs Alter ansparen.

Spätestens nach dem nächsten Konjunktureinbruch könnten steigende Arbeitslosigkeit und sinkende Steuereinnahmen die Finanzlage der Krankenversicherung wieder verschlechtern. Kassen wie Branchenführer Barmer GEK hatten bereits gewarnt, dass der Gesundheitsfonds schon 2013 die Ausgaben voraussichtlich nicht mehr völlig abdecken könne. Zuletzt hatte es einen Überschuss von 3,9 Milliarden Euro gegeben.

Montgomery lobt FDP-Gesundheitsminister

Wohl noch im laufenden Jahr werde sich die BÄK erstmals mit eigenen Forderungen zur Finanzierung des Gesundheitssystems positionieren. "Wir wollen uns verstärkt einmischen", sagte Montgomery. Er warnte vor einer "gesundheitspolitischen Auszeit" bis zum Ende der Legislaturperiode. Unter Führung der FDP-Gesundheitsminister Philipp Rösler und Daniel Bahr sei die Gesetzgebung erstmals vorher direkt mit den Ärzten diskutiert worden. "Das war ein völlig neues Umgehen miteinander", lobte er bezüglich des zu Jahresbeginn in Kraft getretenen Ärztegesetzes.

Montgomery forderte die Koalition auf, mit der seit mehr als zwei Jahren angekündigten Reform der Praxisgebühr ernstzumachen. "Es wäre am Klügsten, die Praxisgebühr voll und ganz abzuschaffen", bekräftigte der Ärztechef. Die dann ausfallenden Einnahmen in Höhe von zwei Milliarden Euro müssen aber ersetzt werden.

Die Bundestagsfraktion der Linken bezeichnete Montgomerys Ausführungen als unsolidarisch und ungerecht. Nach Angaben der "Ärzte Zeitung" nannte der Linken-Abgeordnete Harald Weinberg den BÄK-Chef einen Lobbyisten, der nur mehr Geld im System, also auch für die Ärzte, wolle.

11.01.2012

Verband befürwortet längere Schulpflicht für Pflegeberufe

Die Pläne der EU-Kommission, für Pflegepersonal eine zwölfjährige Schulzeit vorzuschreiben, stoßen beim Berufsverband für Pflegeberufe auf Zustimmung.

"Je besser qualifiziert die Pflegefachpersonen sind, umso weniger Komplikationen bis zum Tod treten bei Patienten auf", schrieb die stellvertretende Vorsitzende Gertrud Stöcker in einem Beitrag für die "Rhein-Zeitung". Dies belegten internationale Studien.

Dagegen hatte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) den Plänen der EU-Kommission, für Krankenschwestern oder Hebammen eine Schulzeit von zwölf statt bislang zehn Jahren vorzuschreiben, eine Absage erteilt. Er sprach von einem falschen Signal. Auch Haupt- und Realschüler müssten die Möglichkeit haben, einen Pflegeberuf zu ergreifen.

Forderung: Benachteiligung des Frauenberufs Pflege beenden

Dahinter steckt auch die Befürchtung, dass der drohende Fachkräftemangel in Pflegeberufen noch weiter verschärft wird. Verbandsvize Stöcker teilt diese Befürchtung nicht. Sie schrieb in ihrem Zeitungsbeitrag, mit einer längeren Schulzeit werde eine mehr als 100 Jahre alte systemische Benachteiligung des Frauenberufs Pflege beendet.

"In allen Ländern, die ihre Anforderungen an die Ausbildung angehoben haben, hat dies zu einer Steigerung der Attraktivität des Berufes geführt. Dies widerlegt das Argument, durch steigende Anforderungen an die Ausbildung werde der Nachwuchs ausbleiben."

Nach EU-Angaben ist schon heute in 24 Mitgliedsstaaten für Pflegeberufe eine zwölfjährige Schulzeit vorgeschrieben. Zwölf Schuljahre führen in Deutschland in der Regel zum Abitur.

 

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09.01.2011

Forscher entwickeln neuartige Keramik für ZE

Wissenschaftler der Universität Jena haben nach eigenen Angaben eine neuartige Glaskeramik für den Einsatz als Zahnbrücke entwickelt. Das Material habe eine rund fünfmal höhere Festigkeit als heute für Zahnersatz verwendete Keramiken, erklärte der Glaschemiker Christian Rüssel am Donnerstag.

Es wirke auch etwas durchscheinend wie ein natürlicher Zahn. Erreicht werde dies dadurch, dass die Jenaer Glaskeramik aus Kristallen mit einer Durchschnittsgröße von höchstens 100 Nanometern besteht. Ein Nanometer entspricht einem Millionstel Millimeter.

Dazu wird das Ausgangsmaterial zunächst bei rund 1500 Grad Celsius geschmolzen, abgekühlt und fein zerkleinert. Danach wird das Glas erneut geschmolzen und wieder abgekühlt, erläuterte der Experte vom Otto-Schott-Institut für Glaschemie. Durch abermaliges Erhitzen auf rund 1000 Grad entstehen dann die Nanokristalle.

Allerdings sei dies eine technische Gratwanderung: Kristallisiere das Material zu stark, streue das Licht und der Stoff sehe aus wie Gips. Bis zum praktischen Einsatz des Materials als Zahnersatz müsse noch weitere Entwicklungsarbeit geleistet werden, hieß es. Den Angaben nach arbeiten die Jenaer Forscher schon länger an hochfesten Keramiken, bisher aber für andere Anwendungsbereiche - zum Beispiel Computerfestplatten.

 

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04.01.2012

Barmer GEK-Chef erntet Kritik für Position zu Klinikschließungen

Die Kommunen sehen durch weitere Klinikschließungen die Versorgung der Menschen auf dem Land gefährdet. "Wir haben auf dem Land keine Überversorgung, zum Teil sogar eine Unterversorgung", sagt Irene Vorholz, vom Deutschen Landkreistag in Berlin - und reagiert damit auf die Forderung des Barmer GEK-Chefs Christoph Straub, weitere Kliniken zu schließen.

Die Sozialbeigeordnete Vorholz betonte, die Menschen müssten in zumutbarer Nähe ärztliche Hilfe finden. "Die Versorgungssicherheit muss überall gewährleistet bleiben, sonst gibt es eine Zwei-Klassen-Versorgung auf dem Land und in der Stadt." Die Hilfsfristen bei der Notfallversorgung könnten schon heute nicht immer eingehalten werden. Die Notärzte kommen von den Krankenhäusern an die Unfallorte.

Auch in Großstädten stößt Straubs Forderung auf Widerstand. Die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit wies darauf hin, dass es in den Kliniken der Hauptstadt schon in den vergangenen Jahren einen beispiellosen Bettenabbau gegeben habe. Berlin stehe bei der Verweildauer und der Auslastung besser da als der Bundesdurchschnitt, sagte Sprecherin Regina Kneiding. Gab es in Berlin 1991 noch 104 Krankenhäuser mit rund 39.900 Betten, so waren es im Jahr 2010 nur noch 79 Krankenhäuser mit etwa 19.800 Betten.

Einheitliche Vergütung gefordert

Hintergrund: Straub hatte sich gegenüber der Zeitung "Die Welt" mit den Worten "Es gibt heute zu viele Krankenhäuser und vor allem zu viele Krankenhausbetten" für weitere Schließungen ausgesprochen. "Wir leisten uns Strukturen", so der Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK weiter, "die größer und teurer sind als in anderen Ländern". Außerdem sei er dagegen, den Krankenhäusern den Sparbeitrag aus der Gesundheitsreform zu erlassen. "Es ist nicht sinnvoll, die Sparmaßnahmen im Krankenhausbereich zurückzunehmen und teure Krankenhausstrukturen einfach aufrechtzuerhalten." Das traditionelle Nebeneinander von Krankenhäusern und Arztpraxen müsse sich ändern.

Die medizinische Versorgung der Bevölkerung solle viel häufiger ambulant erfolgen oder während kurzer Aufenthalte im Krankenhaus. "Dabei müssen niedergelassene Ärzte und angestellte Krankenhausärzte sowohl ambulante als auch stationäre Leistungen erbringen können", sagte Straub. Er forderte eine "einheitliche Vergütung für bestimmte medizinische Leistungen, die ambulant und stationär erbracht werden". Nach seinen Vorstellungen sollte es weniger traditionelle Kliniken und mehr "ambulant-stationäre Einheiten" auf dem Land und in Ballungsräumen geben.

Straub: Strukturwandel ist eine Chance

Am Montagnachmittag widersprach Straub dann per Mitteilung den Deutungen der Zeitung "Die Welt". "Es geht nicht wie behauptet um eine Schließung von Kliniken, sondern um mehr ambulante Versorgungsangebote an Kliniken", heißt es. Die Krankenhäuser sollten die überfälligen Strukturanpassungen als Chance begreifen. "Eine Verzahnung von ambulanten, teilstationären und stationären Versorgungsangeboten ist die beste Voraussetzung, um sich im Markt Wettbewerbsvorteile zu verschaffen"heißt es weiter. "Heutzutage können immer mehr Behandlungen schneller und schonender auch ambulant durchgeführt werden."

 

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20.12.2011

Frohe Weihnachten

                                                                                                                 

BM©- online macht Weihnachten eine kurze Pause - ab dem 09.01.2012 stehen wir Ihnen gerne wieder zur Verfügung. Die BM© - Redaktion wünscht Ihnen ein besinnliches Weihnachtsfest und ein gesundes und erfolglreiches neues Jahr 2012 im Kreise der Menschen, die Ihnen wichtig sind. Wir bedanken uns herzlich für die Zusammenarbeit in diesem Jahr und freuen uns auf ein gemeinsames, erfolgreiches Jahr 2012.

19.12.2011

Versorgungsstrukturgesetz passiert Bundesrat

Das Gesetz zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung (VStG) hat heute den Bundesrat passiert und tritt damit wie geplant zum 1. Januar 2012 in Kraft, teilte das Bundesgesundheitsministerium mit.

Mit dem Versorgungsstrukturgesetz habe man die Weichen dafür gestellt, dass auch künftig eine flächendeckende wohnortnahe medizinische Versorgung in ganz Deutschland sichergestellt sei, sagte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Die Koalition schaffe damit jetzt die Voraussetzungen für schneller greifende Verbesserungen in der medizinischen Versorgung.

Ziel sei, Patienten unmittelbar an der hohen Qualität des deutschen Gesundheitswesens teilnehmen zu lassen. Bahr: "Dieses Ziel wird durch eine Verbesserung der medizinischen Versorgung, eine engere Verzahnung der Leistungssektoren, einen schnelleren Zugang zu Innovation und weitere Spielräume für mehr Wettbewerb zwischen den Krankenkassen erreicht."

 

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15.12.2011

Koalition will Praxisgebühr 2012 reformieren

Die schwarz-gelbe Koalition will nächstes Jahr die Praxisgebühr in der jetzigen Form abschaffen, da sie nicht wie erhofft zu weniger Arztbesuchen führt. Allerdings liegen die Vorstellungen von Union und FDP noch deutlich auseinander.

In der FDP will man über mehr Eigenverantwortung der Versicherten zu weniger Arztbesuchen kommen - in der Union ist eine Gebühr pro Arztbesuch im Gespräch. Eine Möglichkeit sei, statt der zehn Euro pro Quartal künftig bei jedem Arztbesuch eine Gebühr von bis zu fünf Euro zu erheben, wie die "Bild"-Zeitung berichtete.

Die FDP lehnt dies ab und verweist darauf, dass dies die Position der Union sei. Ein Sprecher von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) machte klar: "Überlegungen, die Praxisgebühr pro Arztbesuch zu erheben, stammen nicht aus dem Bundesgesundheitsministerium." Der schwarz-gelbe Koalitionsvertrag sieht eine Überprüfung der Praxisgebühr vor. Das Ministerium erwartet daher einen entsprechenden Vorstoß aus den Koalitionsfraktionen.

Eigenverantwortung der Versicherten erhöhen

Bei einer Reform gehe es darum, mehr auf Eigenverantwortung der Versicherten zu setzen, verdeutlichte der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Heinz Lanfermann. Gegen eine kleine, sozial abgefederte Selbstbeteiligung sei nichts einzuwenden. Aber eine Gebühr pro Arztbesuch lehne er ab, sagte Lanfermann. Ungeachtet der Gebühr gingen die Deutschen im Durchschnitt 18 Mal im Jahr zum Arzt, erläuterte der FDP-Politiker. Das seien weit mehr Arztbesuche als in anderen vergleichbaren Ländern.

Mehr Eigenverantwortung könnte etwa durch mehr Transparenz bei den Behandlungskosten geschaffen werden, sagte der FDP-Politiker. So könnten die Patienten nach dem Erstattungsprinzip die Abrechnungen der Behandlungen bekommen, ohne jedoch in Vorkasse gehen zu müssen. Es gehe bei der Reform auf jeden Fall nicht um eine Steigerung der Einnahmen - die Gesamteinnahmen durch die Praxisgebühr lägen bei 2,6 Milliarden Euro. Für ein intelligenteres System könne man - angesichts der guten Kassenlage - sogar auf einen Teil verzichten, machte Lanfermann deutlich.

Praxisgebühr ohne Steuerungswirkung

Einig sind sich beide Koalitionspartner, dass die Praxisgebühr die erhoffte Steuerungswirkung verfehlt hat. Der FDP-Gesundheitsexperte Lars Lindemann sowie der CSU-Abgeordnete Johannes Singhammer argumentierten in der "Bild"-Zeitung, die Zahl der Arztbesuche habe mit der jetzigen Gebühr pro Quartal nicht eingedämmt werden können.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, sagte allerdings der "Welt", dass die Praxisgebühr höhere Bürokratiekosten verursache, als sie an Einnahmen bringe. Er sprach sich deswegen für eine generelle Abschaffung aus, statt fünf Euro pro Arztbesuch zu verlangen: "Diese Lösung wäre Unsinn und würde noch mehr Bürokratie bedeuten."

 

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12.12.2011

SPD-Beschluss zu Apotheken sorgt für Aufregung

Die SPD lenkt mit ihrem vom Bundesparteitag verabschiedeten Beschluss zur Gesundheitspolitik den geballten Ärger vieler Apotheker auf sich. Der Grund: In der strittigen Passage spricht sich die Partei für Filialketten aus. Die Formulierung sei eine Minderheitenmeinung innerhalb der Partei, vermutet der Branchendienst "apotheke adhoc", die erst durch einen Patzer in das Papier rutschte.

In dem Beschluss sprechen sich die Sozialdemokraten für Apothekenketten aus und rütteln damit an der zentralen Säule des deutschen Apothekenwesens. Nach geltendem Gesetz dürfen Apotheker neben ihrem Hauptgeschäft höchstens drei Filialen besitzen, die von angestellten Apothekern geführt werden müssen. So soll verhindert werden, dass sich Konzernketten bilden und wie bei Supermarktdiscountern allein der Preis entscheidet und die Beratung zu Risiken und Nebenwirkungen von Medikamenten auf der Strecke bleibt.

Das Ringen um eine Kettenerlaubnis hatte 2009 bis vor den Europäische Gerichtshof (EuGH) geführt, der dem Wunsch nach Billiganbietern in letzter Instanz einen Riegel vorschob. Die SPD - damals noch in der Regierung - hatte das Urteil begrüßt. Nun liest sich das im Beschluss anders.

Fachreferat schweigt sich aus

"Den Arzneimittelvertrieb werden wir liberalisieren, um Preisvorteile von größeren Vertriebsstrukturen zu erreichen", heißt es. Damit verlässt die SPD ihre bisherige Linie. Die Gründe dafür sind nicht klar. Fragen dazu konnte die Pressestelle des Parteivorstandes in Berlin auf mehrfache Anfragen nicht beantworten. Der zuständige Fachreferent sei nicht zu erreichen, sagte ein Sprecher am Donnerstag.

Die Gesundheitsexpertin der Fraktion, Marlies Volkmer, sagte "apotheke adhoc", es handele sich weder um die Position der Fraktion noch der Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen (ASG). Volkmer sitzt im Landesvorstand der sächsischen SPD, die die Passage habe ändern wollen - durch ein Bekenntnis zu Apotheken, die vom Inhaber geführt werden ohne Konzernketten im Hintergrund. Doch der Landesverband habe den Änderungsantrag zu spät eingereicht.

 

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07.12.2011

Bundestag beschließt Versorgungsstrukturgesetz

Der Bundestag hat Entwurf zum Versorgungsstrukturgesetz (VStG) gebilligt. Für die Neuregelung stimmten am Donnerstag die Fraktionen von Union und FDP. Die Opposition votierte geschlossen dagegen. Es bedarf nicht der Zustimmung des Bundesrates.

Das VStG zielt darauf, die wohnortnahe medizinische Versorgung flächendeckend sicherzustellen. Dafür sind auch finanzielle Anreize für die Mediziner vorgesehen. Vor allem auf dem Land finden viele Haus- und Fachärzte, die altersbedingt aufhören, keine Nachfolger. Für junge Mediziner ist eine Praxis in Ballungsräumen durchweg lukrativer. Für Landärzte wurde deshalb die Residenzpflicht aufgehoben: Sie müssen ihre Praxis nicht länger am Wohnort betreiben.

Um die Versorgungsqualität zu verbessern, sollen auch die Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Behandlung durchlässiger werden. So können in unterversorgten Gebieten Ärzte von Reha- und Pflegeeinrichtungen künftig Patienten auch von außerhalb behandeln. Gemeinden haben auch die Möglichkeit, Arztpraxen in Eigenregie zu betreiben.

Lauterbach kritisiert Bahr

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) verteidigte das Vorhaben für eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung. "Es ist ein gutes Gesetz. Wir sorgen dafür, dass die Menschen den Landarzt nicht nur aus einer idyllischen Vorabendserie kennen", sagte er. Das Gesetz gewährleiste, dass jeder die notwendige medizinische Behandlung bekomme - bei freier Arzt- und Krankenhauswahl.

In der Debatte warf der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach der schwarz-gelben Koalition vor, das Gesetz werde die Versorgungsstruktur in Deutschland nicht verbessern und den Medizinermangel nicht beheben können. "Sie verschlimmern ein Problem, das wir schon haben", sagte er. Es gehe der Koalition nicht um die Versorgung der Patienten, sondern um die Versorgung der niedergelassenen Ärzte. "Lobbyismus ist Ihnen wichtiger als der Wettbewerb", sagte Lauterbach an Bahrs Adresse.

Fedderwitz begrüßt Gesetz

"Die Zahnärzte begrüßen nach den vielen vorhergegangenen Kostendämpfungsgesetzen den nun eingeleiteten Paradigmenwechsel", kommentierte der Vorsitzende des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), Dr. Jürgen Fedderwitz das VStG. "Mit diesem Gesetz können das Vergütungssystem flexibilisiert und regionalisiert und so die die tatsächlichen Versorgungsstrukturen adäquat abgebildet werden. Das ist ein erster Schritt zur Abkehr von der starren Budgetierung."

Auch die Ergänzungen des Gesetzes zur verbesserten zahn­medizinischen Versorgung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderung begrüßt Fedderwitz. "Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung, der aber noch nicht ausreicht. Wir fordern die Bundesregierung, auf diesen Weg weiter zu gehen, um allen Menschen den Zugang zur modernen Zahnmedizin zu ermöglichen."

 

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25.11.2011

Gesundheitsreport: Zufriedene Deutsche sorgen sich um die Zukunft

Es klingt wie ein Widerspruch: Rund 72 (2010: 70) Prozent der Deutschen bewerten das Gesundheitssystem aktuell als "gut" oder "sehr gut", bei den Ärzten sind es sogar unverändert 88 Prozent. Gleichzeitig machen sie sich einer neuen Allensbach-Umfrage zufolge massiv Sorgen vor zukünftigen Versorgungseinschnitten.

Fast 80 Prozent sorgen sich demnach, dass die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen steigen und es zu einer "Zwei-Klassen-Medizin" kommt, berichtet die Studie. Gut die Hälfte der Befragten (52 Prozent) macht sich Sorgen über die finanzielle Absicherung im Pflegefall - mehr als drei Viertel glaubt, durch die gesetzliche Pflegeversicherung nicht "ausreichend abgesichert" zu sein.

Als Grund für die Unsicherheit nennt die Studie den demografischen Wandel. So sind 82 Prozent der Befragten der Meinung, dass sich die Politik nicht ausreichend mit den Auswirkungen der alternden Gesellschaft auf das Gesundheitssystem auseinandersetzt. Laut Studie haben 55 (2010: 61) Prozent der Bevölkerung "keinen guten Eindruck" von der Gesundheitspolitik der Bundesregierung, in der Ärzteschaft sind es sogar 72 (2010: 73) Prozent.

 

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22.11.2011

DocMorris und Rewe kooperieren

Europas größte Versandapotheke, DocMorris, und das Lebensmittelunternehmen Rewe haben eine deutschlandweite Kooperation besiegelt: Ab Januar 2012 arbeiten die beiden Konzerne zusammen,

In den bundesweit mehr als 3.000 Rewe-Supermärkten sollen ab Jahresbeginn Handzettel, Broschüren und Kataloge über das Angebot der Internet-Apotheke informieren, teilten die beiden Unternehmen mit. Außerdem sollen Rewekunden bei Bestellungen besondere Rabatte bekommen.

Auch auf seiner Webseite will der Rewe-Konzern Werbung für DocMorris machen, unter dessen Namen heute bereits mehr als 160 stationäre Apotheken in Deutschland firmieren. Hintergrund: Seit 2007 bietet die Kette selbstständigen Apothekern eine Kooperation an, wenn sie ihre Apotheke umbenennen.

 

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18.11.2011

Medica öffnet mit Rekordbeteiligung

Mit einer Rekordbeteiligung von rund 4.570 Ausstellern aus mehr als 60 Ländern hat am Mittwoch die weltgrößte Medizinfachmesse Medica in Düsseldorf ihre Tore geöffnet. Bis Samstag präsentiert sie Neuheiten von der Labortechnik über Diagnosegeräte bis zur Einrichtung von OP-Sälen und Arztpraxen.

Die Messe, zu der rund 135.000 Fachbesucher erwartet werden, steht dieses Jahr im Zeichen der zunehmenden Vernetzung und mobilen Gesundheitsversorgung mit Hilfe von Smartphones und Mini-Computern. In der Gesundheitspolitik müssten die Bedürfnisse der Menschen im Mittelpunkt stehen, sagten EU-Gesundheitskommissar John Dalli und die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) bei einem Treffen in Düsseldorf.

Steffens: "Technik eröffnet heute exzellente medizinische Versorgungsmöglichkeiten, sie darf aber kein Selbstzweck sein." Steffens kritisierte die von der EU geplante Anhebung der Schulbildung von zehn auf zwölf Jahre für den Zugang zur Ausbildung in der Krankenpflege. Zwar würden angesichts immer komplexerer Aufgaben qualifizierte Fachkräfte in der Pflege und Gesundheitsversorgung gebraucht. Ein längerer Schulbesuch würde den Fachkräftemangel aber weiter verschärfen, sagte Steffens.

Die Neuheiten auf der Medica reichen vom winzig kleinen Tinnitus-Therapiegerät über die Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und Körpertemperatur per iPhone bis hin zu einem 3D-Ultraschallgerät, das Farbfotos von Embryonen macht. Begleitet wird die Medica von der Zulieferermesse Compamed mit fast 630 Ausstellern.

 

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11.11.2011

ABDA lehnt neue Apothekenbetriebsordnung ab

Die Apotheker fordern die Beibehaltung der flächendeckenden und umfassenden Versorgung durch vollwertige Apotheken. Damit widerspricht die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) Regelungen des Referentenentwurfs zur Novellierung der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO).

„Sonderregeln für Filialverbünde lehnen wir ab, denn es darf keine zweitklassigen Apotheken geben. Das widerspricht unserem Versorgungsauftrag und dem erklärten Willen des Verordnungsgebers, die Versorgung im Nahbereich der Apotheken zu verbessern“, lässt sich ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf in einer Mitteilung zitieren. „Wer in eine Apotheke kommt, vertraut zu Recht darauf, dass er umfassend vorsorgt wird. ‚Ein bisschen Apotheke‘ geht nicht.“

Zu den Leistungen der Apotheke gehörten auch die Herstellung von Rezepturen und die Versorgung im Nacht- und Notdienst. Im Referentenentwurf zur ApBetrO sei aber geplant, dass Filialapotheken keine Rezepturen herstellen müssten. Wolf: „Jede Apotheke muss in der Lage sein, dringend benötigte Rezepturen herstellen zu können – das ist auch im Notdienst essentiell.“
Dazu müssten in jeder Apotheke die wissenschaftlichen Hilfsmittel und ein Labor zur Prüfung der Ausgangsstoffe vorhanden sein, erklärt er. „Diese Ausrüstung in Filialapotheken einzuschränken, ist keine sinnvolle Deregulierung – hier wird am falschen Ende gespart.“

 

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08.11.2011

Deutsche setzen auf IT im Gesundheitswesen

Rund 74 Prozent aller Bundesbürger glauben, dass der Einsatz neuer IT-Lösungen die Kostenexplosion im Gesundheitssystem nachhaltig stoppen kann und die Versorgung damit auch langfristig bezahlbar macht. Das ergab eine Umfrage von TNS Infratest. Und: Mehr als 62 Prozent der Befragten würden ihre Gesundheitsdaten gern selbst elektronisch verwalten.

Schlecht vernetzte Ärzte, mangelnde Abstimmung und ineffiziente Behandlungswege sind die am häufigsten genannten Kritikpunkte. 80 Prozent sind überzeugt, dass moderne IT-Systeme die Kommunikation zwischen Hausarzt, Facharzt und Patient vereinfachen würden und vor allem in ländlichen Gebieten die Versorgung verbessern könnten.

In modernen IT-Lösungen stecke für das Gesundheitswesen ein großes Potenzial, findet auch Henrik Tesch von Microsoft. Mit einer Initiative will der Softwarekonzern - der die Befragung in Auftrag gegeben hatte - aufzeigen, welche Möglichkeiten es durch den Einsatz von IT konkret geben könnte. Zum Beispiel werde noch heute ein verschriebenes Rezept auf dem Verwaltungsweg dutzende Male angefasst und händisch bearbeitet, sagt Tesch. Dabei gebe es längst digitale Alternativen.

Das große Potenzial von IT bleibt unerkannt

Chronisch Kranke, Pflegebedürftige und Menschen in ländlichen Gebieten könnten durch moderne mobile Lösungen ihre Unabhängigkeit und Mobilität bewahren. Es werde viel über die Gesundheitskarte und mögliche Risiken beim Datenschutz gesprochen, sagte Tesch. Dabei werde das große Potenzial der IT aber noch immer nicht genug erkannt.

Um die Selbstbestimmung der Bürger über ihre Krankendaten zu gewährleisten, hat Microsoft gemeinsam mit Siemens IT Solutions and Services die Patientenakte "HealthVault" ("Gesundheitstresor") entwickelt, in der der Nutzer selbst über alle Daten und Befunde verfügt und die Weitergabe von Informationen selbst verwaltet.

Für die Umfrage wurden im Zeitraum August und September 2011 von TNS Infratest 1.000 Menschen im Alter zwischen 16 und 70 Jahren befragt.

 

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03.11.2011

Pharmagelder an Ärzte im Visier
 
Ärzte, die Geld von Pharmafirmen annehmen, könnten künftig deutlich schärfer strafrechtlich verfolgt werden. Ermittler erwarten, dass die teilweise enge Verflechtung von Industrie und Medizin bald auf eine neue Grundlage gestellt wird.

Grund ist eine anstehende Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe. Der Große Senat für Strafsachen will klären, ob niedergelassene Ärzte im juristischen Sinn als Amtsträger einzustufen sind - und sich entsprechend der Korruption schuldig machen können.

"Stuft der BGH die Ärzte als Amtsträger ein, machen sie sich bei der Annahme von unerlaubten Zuwendungen strafbar, auch wenn diese Zuwendungen nicht nachweisbar zu einer Beeinflussung des Verordnungsverhaltens geführt haben", sagte der niedersächsische Oberstaatsanwalt Marcus Röske, der das Verfahren vor dem BGH mit angestoßen hatte, in Berlin.

KBV fordert strengere Regeln

Dann könnten sich die Strafverfolgungsbehörden auf breiter Front dem Pharmamarketing widmen. "Vielleicht findet bei den Pharmaunternehmen dann ein Umdenken statt." Bereits die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatte strengere Regeln für die jährlich rund 300 Anwendungsbeobachtungen neuer Medikamente beim Arzt im Auftrag von Pharmafirmen gefordert.

"Es kann nicht sein, dass ein Arzt für das Ausfüllen eines Anwendungsbogens 1.000 Euro bekommt", sagte der KBV-Vorstand Carl-Heinz Müller. "Manche Anwendungsbeobachtungen sind reine Verschleierungstaktik für Zuwendungen", sagte der Frankfurter Staatsanwalt Alexander Badle. "Auch Referententätigkeiten oder Beraterverträge können hierfür missbraucht werden." Die BGH-Entscheidung werde eine Klärung herbeiführen.

In den zugrundeliegenden Verfahren ging es um Bestechungsvorwürfe gegen einen Hersteller von Geräten zur Reizstromtherapie und eine Pharmareferentin sowie den Vorwurf der Bestechlichkeit gegen einen Arzt. Der Mediziner soll von der Pharma-Angestellten Schecks von insgesamt über 10.000 Euro bekommen haben. Wie bei anderen Medizinern auch sollte mit diesen Prämien die Verordnung von Arzneimitteln aus dem Vertrieb der Pharmafirma bezahlt werden.

 

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28.10.2011

Mehr Studienplätze für Zahnmedizin in Witten/Herdecke

Zum beginnenden Wintersemester nimmt die Universität Witten/Herdecke erstmals 40 statt bisher 30 Studierende der Zahnmedizin auf. Damit reagiert Deutschlands älteste Privatuniversität auf die Rekordzahl von 410 Bewerbungen.

„Wir können die hier übliche intensive Betreuung auch den zehn Studierenden mehr garantieren“, verspricht Prof. Dr. Stefan Zimmer, Leiter des Departments für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Denn pünktlich zum neuen Semester würden die neuen „Phantomköpfe“ in zwei Räumen aufgestellt.

Diese Übungseinheiten bilden den menschlichen Kopf und Kiefer nach, liegen also, wie später die Patienten, vor dem angehenden Zahnarzt. „Für jeden Studierenden ist so ein Kopf vorhanden, an denen wir vom ersten Semester an trainieren, wie es ist, mit Bohrer und Absaugung in der engen Mundhöhle zu hantieren“, beschreibt Prof. Zimmer. Neben dieser Patientensimulation ab dem ersten Semester absolvierten die Studierenden in Witten vom ersten bis zum sechsten Semester ein Curriculum in Prävention und Diagnostik, in dem sie alle theoretischen Grundlagen der Prävention erlernen und diese in praktischen Übungen an „echten“ Behandlungsplätzen trainieren.

Studiengang zieht in Finalrunde des Wettbewerbs "cum laude" ein

Auch in den späteren Studienabschnitten lernen die Studierenden nach Angaben der Universität sehr praxisorientiert: Im integrierten Kurs ab dem siebten Semester bestellen die Studierenden „ihre“ Patienten ein wie später in der Praxis auch. Sie entwickeln den Behandlungsplan und arbeiten ihn zu zweit und unter ständiger Aufsicht eines erfahrenen Zahnarztes ab. Dabei decken sie das gesamte Spektrum der Zahnmedizin von der Prävention über die Zahnerhaltung, Parodontologie, Chirurgie und Kieferorthopädie bis zur Prothetik so ab, wie das in einer Zahnarztpraxis auch der Fall ist.

Aufgrund dieser Besonderheiten hat der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft den Studiengang „Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde“ in seinem aktuellen Wettbewerb „cum laude“ aus 82 Bewerbungen in die Finalistenrunde von neun besonders innovativen Studiengängen aufgenommen. Nominiert wurde der Studiengang von einer überwiegend mit Studierenden besetzten Jury.

Die neun Finalisten sind nun eingeladen, auf einer Veranstaltung am 28. November in Berlin die Juroren in einer kurzen Präsentation erneut von den Vorzügen ihres jeweiligen Angebots zu überzeugen. Anschließend werden die drei besten Studiengänge prämiert und erhalten die Titel "Summa cum laude", "Magna cum laude" und "cum laude" sowie Preisgelder von 3.000 bis 1.000 Euro.

 

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26.10.2011

Forscher fordern Verbesserung der Medikamentenversorgung

Kindern werden zu viele und oftmals unnötige Antibiotika verordnet, demente Menschen erhalten sogar zum Teil für sie gefährliche Psychopharmaka - so lautete eine These auf dem Deutschen Kongress für Versorgungsforschung in Köln, Um diese Missstände schnell zu beheben, fehlt es jedoch an Einigkeit.

Die Themen des Kongresse waren neueste Forschungsergebnisse und aktuelle Fragen einer effizienten und qualitativ abgesicherten Arzneimittelversorgung älterer Menschen, die Antibiotika- oder Psychopharmakaverordnung für Kinder und Jugendlichesowie die Anwendung neuer und teurer Arzneimittel, insbesondere zur Behandlung von Krebserkrankungen.

„Wir haben das Ziel, Brücken zwischen den Disziplinen zu schlagen und die Versorgungsforschung zukunftssicher zu machen“, sagte Prof. Dr. Holger Pfaff, der Vorsitzende des Deutschen Netzwerkes Versorgungsforschung, das den Kongress gemeinsam mit der Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie (GAA) veranstaltet. Medizin, Sozialwissenschaften und Epidemiologie müssten künftig enger zusammenarbeiten, forderte er und formulierte drei Hauptaufgaben: Die Vernetzung und Fortbildung der Versorgungsforscher sowie die Förderung der wissenschaftlichen Qualität der Versorgungsforschung.

Prof. Dr. Sebastian Harder, Vorsitzender der GAA, begründete diese Forderung mit der Rolle der Arzneimittel in der medizinischen Versorgung: „Arzneimittel sind faktisch das Hauptstandbein der Therapie in der Medizin", sagte er. "Der Kostenanteil für Arzneimittel im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung liegt mit rund 30 Milliarden Euro sogar höher als der Anteil für die Arzthonorare mit etwa 28 Milliarden Euro.“

Patientenorientierung als oberstes Gebot

Eine konsequente Therapie mit Arzneistoffen führe zu einer deutlichen Senkung von Morbidität und Mortalität. Bei allen Vorteilen dürfe, so Harder, nicht die Bewertung der Kosten-Nutzen-Relation, die Vermeidung von Arzneimittelrisiken und die Beschränkung auf das Wichtige vernachlässigt werden. Bei allen Überlegungen gelte es mehr und mehr die Patientenorientierung zur Basis von Entscheidungen zu machen, sowohl im medizinischen wie im politischen Bereich.

„Nach der Epoche des Chefarztes und der Epoche der Ökonomie stehen wir vor der Epoche des Patienten“, sagte Prof. Dr. Edmund Neugebauer, 2. Vorsitzender des DNVF. Der Mensch im Mittelpunkt des Handelns, wie er in so vielen Leitbildern von Krankenhausträgern beschworen werde, solle nicht nur ein Schlagwort bleiben. Studien zeigten, dass die Einbeziehung von Patienten in die Entscheidung über ihre Gesundheitsversorgung das Arzt-Patienten-Verhältnis und die Qualität der Versorgung verbessern.

Prof. Dr. Gerd Glaeske, Hauptgeschäftsführer des DNVF, belegte diese Notwendigkeit mit Auswertungen von Daten der gesetzlichen Krankenkassen. "Die zeigen noch immer zu viele und zu viele unnötige Antibiotikaverordnungen für Kinder, zu viele und unnötige Arzneimittelverordnungen für ältere Menschen, zu viele und gefährliche Psychopharmaka für Menschen mit Demenz oder Arzneimittelverordnungen", so der Wissenschaftler, "selbst da, wo Physiotherapie, Psychotherapie oder aktivierende Pflege die bessere und gesündere Alternative wären.“

Honorierung hat Einfluss auf das Behandlungsergebnis

Seine Schlussfolgerung: Die Versorgungsforschung werde mit solchen Analyseresultaten zu einer Disziplin, die über den Nutzen und die Qualität der medizinischen Versorgung Aussagen machen kann. Die Ergebnisse aus der klinischen Forschung mit all ihren Ein- und Ausschlusskriterien ließen sich nicht ohne Weiteres auf die Versorgung von Patienten in der realen Versorgungswelt übertragen – Alter, Geschlecht und Begleiterkrankungen der Menschen hätten einen ebenso großen Einfluss auf das Behandlungsergebnis wie die Qualifikation der Behandler und die Strukturen der Organisation und der Honorierung.

Damit sind nach Glaeskes Ansicht nicht nur die Ärzte, Krankenhäuser oder Angehörige anderer Gesundheitsberufe angesprochen, sondern vor allem auch die Krankenkassen, die durch Verträge Einfluss auf die Versorgungsrealität nehmen könnten. Diese Position unterstützt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Dr. Rolf-Ulrich Schlenker: Die Versorgungsforschung mit Kassen-Routinedaten habe einen hohen Stellenwert. "Mit den systematischen Analysen verschiedener Versorgungsbereiche lassen sich zum Beispiel Über-, Unter- und Fehlversorgung identifizieren und konkrete Maßnahmen für das Vertrags- und Versorgungsmanagement ableiten“, sagt er und betonte, dass die Versorgungsforschung damit unverzichtbare Daten liefere, um die medizinische Versorgung Stück für Stück im Sinne der Patienten zu optimieren.

 

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20.10.2011

EKD fordert Umsteuern in der Gesundheitspolitik

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat ein Umsteuern in der Gesundheitspolitik hin zu mehr Solidarität gefordert.

Zu erwägen sei, bei der Berechnung der Beiträge in der Kranken- und Pflegeversicherung auch andere Einkommensarten als nur das Erwerbseinkommen heranzuziehen. Das geht aus einer in Düsseldorf vorgestellten Denkschrift zur Gesundheitspolitik hervor.

Bei der Vorbeugung von Gesundheitsrisiken sollte nach Ansicht der Kirche weniger auf individuelle Verhaltensänderung und mehr auf staatliche Regulierung gesetzt werden, um die Gesundheit der gesamten Bevölkerung zu verbessern. Am Beispiel Tabak zeige sich, dass Aufklärungskampagnen im Gegensatz zu Steuererhöhungen und Werbeverboten "enttäuschend geringe Effekte" erzielt hätten.

Der Rat der EKD spricht sich nicht gegen Wettbewerb im Gesundheitswesen aus. Eine rein ökonomische Steuerung des Gesundheitswesens sei zwar problematisch, aber Leistungen müssten effektiv und effizient sein, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider laut Redetext.

Dennoch betonte er: "Wirtschaftliche Kalküle alleine reichen nicht aus, wenn es um die Gestaltung von Gesundheitspolitik geht." Nach Ansicht der EKD müssen auch Fragen etwa der Bildung, Familienförderung oder der Stadtentwicklung einbezogen werden. Änderungen forderte die Kirche beim Pflegebedürftigkeitsbegriff. Die notwendige Aufstockung des Kapitalstocks der Pflegeversicherung müsse solidarisch und gegebenenfalls auch aus Steuermitteln erfolgen.

 

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113.10.2011

In Kliniken wird zu wenig auf orale Gesundheit geachtet

Im Krankenhaus wird die Mundhygiene der Patienten vernachlässigt – dies führt zu Infektionen, die leicht vermieden werden könnten. Britische Forscher konstatierten steigende Plaquewerte sowie Zahnfleisch- und Schleimhautentzündungen während der Klinikbehandlung.

Die Übersichtsarbeit zeigt, dass bei Krankenhausbehandlungen die orale Gesundheit übersehen wird. Überprüft wurden Daten aus Großbritannien, den USA, Frankreich und den Niederlanden, schreibt der wissenschaftliche Informationsdienst "Zahnmedizin Report" in seiner Oktober-Ausgabe und verweist auf weitere Studien.

Die Wissenschaftler um Terezakis identifizierten etwa steigende Plaquewerte sowie Zahnfleisch- und Schleimhautentzündungen während der Klinikbehandlung, besonders bei Patienten, die bei der Atmung unterstützt wurden. Diese Studie kommt auch zum Schluss, dass dadurch die Zahl der im Krankenhaus erworbenen Infektionen steigt. Dass Atemwegserkrankungen auch aus schlechter oraler Gesundheit und Mundhygiene resultieren können, wird laut "Zahnmedizin Report" seit längerem diskutiert.

Infektionen der Atemwege entstehen bekanntlich aus der Verschleppung von Bakterien aus der Mundhöhle sowie dem Nasen-Rachen-Raum in die unteren Atemwege, wenn es den Abwehrmechanismen des Körpers nicht gelingt, diese Keime zu eliminieren. Die orale Flora könnte als Reservoir für diesen Infektionsweg fungieren und somit respiratorische Erkrankungen begünstigen, mutmaßt ein Team um den Parodontologen.

 

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10.10.2011

Caritas fordert Prophylaxe für Pflegebedürftige und Gehandicapte

Der Deutsche Caritasverband hat vorgeschlagen, mit dem Versorgungsgesetz den Kreis der Anspruchberechtigten der Gruppen- und Individualprophylaxe um Menschen mit Behinderung und Pflegebedürftige mit kognitiven und motorischen Einschränkungen zu erweitern.

Diese Menschen hätten häufig Schwierigkeiten bei der Durchführung der Mundhygiene, begründet der Verband seine Forderung. Wissenschaftliche Studien belegten, dass bei ihnen ein deutlich schlechterer Status der Mund- und Zahngesundheit als in der Allgemeinbevölkerung bestehe. Um den Zahngesundheitszustand hier nachhaltig und dauerhaft zu verbessern, sei daher eine intensive prophylaktische Betreuung dieser Patienten notwendig.

Die Caritas schlägt vor, das SGB V so zu ergänzen, dass Mitglieder von sechs bis 18 Jahren und solche, die aufgrund einer dauerhaften Behinderung oder Pflegebedürftigkeit nicht die motorischen oder kognitiven Fähigkeiten haben, die nötigen Verrichtungen zur Individualprophylaxe zu verstehen oder umzusetzen, einmal in jedem Kalenderhalbjahr zur zahnärztlichen Prophylaxe gehen können.

Die Untersuchungen sollten sich "auf den Befund des Zahnfleisches, die Aufklärung über Krankheitsursachen und ihre Vermeidung, das Erstellen von diagnostischen Vergleichen zur Mundhygiene, zum Zustand des Zahnfleisches und zur Anfälligkeit gegenüber Karieserkrankungen, auf die Motivation und Einweisung bei der Mundpflege sowie auf Maßnahmen zur Schmelzhärtung der Zähne erstrecken". Diese Gruppen sollten auch Anspruch auf die Versiegelung von Fissuren und Grübchen haben.

 

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05.10.2011

Angehende Zahnärzte übernehmen am liebsten eine Praxis

Zahnärzte präferieren bei der Existenzgründung die Übernahme einer Einzelpraxis. Das belegt die von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) und dem Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) durchgeführte Existenzgründungsanalyse 2010.

Insgesamt 48 Prozent der Existenzgründer in den alten und 68 Prozent in den neuen Bundesländern entschieden sich für diese Praxisform, teilt die apoBank mit. Eine Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) wählten im Westen 33 Prozent, im Osten 22 Prozent der Zahnärzte. Insgesamt 19 Prozent aller Berufseinsteiger gründeten eine neue Praxis.

In den alten Bundesländern kostete die Neugründung einer Einzelpraxis etwa 400.000 Euro. Die Finanzierungskosten für die Übernahme einer Einzelpraxis stiegen auf 307.000 Euro, was einen Höchstwert seit Beginn der Analyse im Jahr 1984 bedeutet.

Das Finanzierungsverhalten war zudem klar altersabhängig. So zahlte die Altersgruppe "31 bis 40 Jahre" mit 414.000 Euro für die Einzelpraxisneugründung beziehungsweise mit 316.000 Euro für die Übernahme den höchsten Betrag. Wer 41 Jahre und älter ist, war dagegen deutlich zurückhaltender und zahlte für die Übernahme einer Einzelpraxis 260.000 Euro.

Männer zahlten für die Neugründung einer Einzelpraxis 444.000 Euro; für die Übernahme 353.000 Euro. Frauen zahlten für eine neue Praxis 390.000 Euro und für eine Übernahme 272.000 Euro. Auch die Standortwahl beeinflusste das Investitionsverhalten. So war die Neugründung einer Einzelpraxis in einer Kleinstadt mit 412.000 Euro deutlich teurer als in anderen Lagen. Bei der Einzelpraxisübernahme musste das höchste Finanzierungsvolumen für eine Praxis in Großstädten aufgebracht werden (314.000 Euro).

Nachdem die Kosten für die Einzelpraxisübernahme in den neuen Ländern 2007 stark zurückgegangen waren, stiegen sie in den Folgejahren wieder an: 2010 mussten Existenzgründer im Durchschnitt 185.000 Euro für eine Praxisübernahme aufwenden.

Das Durchschnittsalter de rPraxisgründer lag 2010 im Westen bei 35,5, im Osten bei 34,1 Jahren. Bezogen auf die Altersstruktur ging der Anteil junger Zahnärzte bis 30 Jahre auf 17 Prozent zurück. Der Anteil von Existenzgründerinnen lag in den alten Bundesländern bei 43 Prozent, in den neuen bei 56 Prozent.

 

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27.09.2011

Bundestag und Bundesrat beraten Versorgungsgesetz

Das Gesetz zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-VStG) wurde in 1. Lesung von Bundestag und Bundesrat beraten.

Dazu zitiert die "Ärzte-Zeitung" Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP): Die Koalition wolle denjenigen, die im deutschen Gesundheitswesen arbeiten, "Motivation, Vertrauen und Anerkennung geben". Es nütze nichts, den drohenden Ärztemangel zu leugnen. Mit dem Versorgungsstrukturgesetz "beglücken wir die Patienten", die auf bessere Versorgung und mehr Wahlfreiheit" hoffen dürften, so Bahr.

Laut dem Blatt konterte Dr. Karl Lauterbach, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion: Das Gesetz beglücke lediglich "ein paar Ärzte, die künftig die vorhandene Versorgung teurer abrechnen können", nicht aber die Patienten und Versicherten.

Die lokal bereits bestehende Unterversorgung werde nur besser vergütet, mehr Ärzte kämen aber nicht hinzu. Seine Parteikollegin Dr. Marlies Volkmer forderte, das Gesetz brauche Instrumente, um Überversorgung "wirksam abzubauen". "Freiwilligkeit nützt da nichts", so Volkmer.

Dr. Martina Bunge von der Linksfraktion forderte, "generell befristete Kassenzulassungen" zu erteilen, um so eine regionale Umverteilung von Ärzten zu erzwingen. Den geplanten Wegfall der Honorar-Abstaffelung in unterversorgten Gebieten bezeichnete Bunge demnach als "Lachnummer", da maximal 37 Ärzte bundesweit davon profitieren würden. Dringend nötig seien wissenschaftliche Evaluierungen, "wie viele Ärzte, Pfleger oder Physiotherapeuten wir tatsächlich brauchen".

In einem freien Land, entgegnete Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, müsse man Anreize setzen, um zu beeinflussen, wo Ärzte sich niederlassen: "Das geht seit 1989 nicht mehr per Staatsdekret", polemisierte Spahn in Richtung Linksfraktion. Der CDU-Abgeordnete wertete den Ärztemangel in einzelnen Regionen als "Vorbote" einer Entwicklung.

 

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19.09.2011

Jedes siebte Heim ist vor der Pleite

Eine Woche vor der geplanten Präsentation der Pflegereform spitzt sich der Koalitionsstreit über völlig unterschiedliche Modelle zu. Vielen Heimen droht unterdessen, das Geld auszugehen: Jedes siebte der rund 11.600 Pflegeheime ist einer neuen Studie zufolge von der Pleite bedroht.

Überalterte Immobilien, zunehmender Wettbewerb, Lohnkostensteigerungen und mangelnde Managementkompetenz zählen zu den Gründen. Bis zum Jahr 2020 verschwinden demnach rund 1.750 Heime in ihrer heutigen Form vom Markt - viele dürften aber von anderen Trägern übernommen oder ersetzt werden. Das geht aus der Studie "Stationärer Pflegemarkt im Wandel" der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hervor. 150 Heimbetreiber wurden befragt.

"Eine Verbesserung der finanziellen Lage ist derzeit nicht abzusehen", heißt es in der Studie. "Die Kosten werden deutlich steigen, während bei den Einnahmen kein klarer Aufwärtstrend zu sehen ist." Insgesamt dürfte es 2020 mehr Heime geben als heute. Bis zum Jahr 2020 bräuchten 179.000 Menschen mehr als heute stationäre Pflege. Rund 2.000 neue Heime würden gebraucht.

Dazu komme, dass bestehende Einrichtungen saniert oder ersetzt werden müssen. Bis zu 30 Prozent der Heimimmobilien genügten nicht mehr aktuellen Standards. Die Experten rechnen daher mit einem Investitionsbedarf von rund 34 Milliarden Euro für insgesamt 4.300 Heime. Pflegeketten seien auf dem Vormarsch.

Die CDU lehnt derweil einen Vorstoß der CSU ab, mehr Leistungen aus Steuermitteln zu bezahlen - und legt einen Kompromissvorschlag vor. Die FDP hält sich bedeckt, mahnt die Union aber zur Einigung.

Die jüngsten Vorschläge der CSU seien "nicht umsetzbar", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU), am Donnerstag im Deutschlandradio Kultur. Die CSU war mit einem Konzept vorgeprescht, mit der die Betreuungsleistungen für Demente und die Eingliederungshilfe für Behinderte zusammengeführt und aus Steuermitteln bezahlt werden sollen. Spahn lehnte den Vorschlag als "schuldenfinanzierte Zukunftsvorsorge" ab.

Spahn schlug einen "Kombination" vor, um steigenden Bedarf zu finanzieren. Insbesondere für die Jahre ab 2035 sollten die Versicherten bereits heute zum Aufbau eines kollektiven Kapitalstocks verpflichtet werden - gleichzeitig solle die private Altersvorsorge für die Pflege geöffnet werden. Freiwillig könnten dann die Menschen mit Riesterrente, Basisrente oder betrieblicher Altersvorsorge für den Pflegefall vorsorgen. Spahn: "Pflege wird so oder so teurer."

Unionsfraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) sieht im CSU-Konzept dagegen eine gute Diskussionsgrundlage. "Dies gilt es, in den Verhandlungen konstruktiv aufzugreifen", sagte er der "Saarbrücker Zeitung". "Erhebliche Bedenken" machte er zu dem von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) favorisierten Konzept geltend, eine individualisierte Kapitalsäule mit Extraprämien aufzubauen. "Eine solche Lösung würde einen Sozialausgleich erfordern und erhebliche Bürokratiekosten verursachen."

Bahr will bis Freitag kommender Woche Eckpunkte vorlegen. Die Pflege-Expertin der FDP-Fraktion Christine Aschenberg-Dugnus griff den Koalitionspartner an: "Die derzeitige Uneinigkeit innerhalb der Union gefährdet ein rasches Vorlegen von konkreten Vorschlägen." Der Vorstand der Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, kritisierte den "parteipolitischen Hickhack der Bundesregierung".

 

 

 

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13.09.2011

Kassen streiten mit Pharmaindustrie über Arzneikosten

Angesichts deutlich gesunkener Arzneiausgaben hat die Pharmaindustrie die Bundesregierung zu einer Abkehr von ihrem Kostendämpfungskurs aufgerufen. Die Krankenkassen wiesen die Forderung vehement zurück.

"Ein Zwangsrabatt kann nur in einer Notsituation einmalig helfen", sagte die Geschäftsführerin des Verbands der forschenden Pharmaunternehmen (vfa), Birgit Fischer, in Berlin. Es bestehe die Gefahr, dass "Innovationen" blockiert würden.

Die Arzneiausgaben waren im ersten Halbjahr um 6,3 Prozent gesunken. Die Koalition hatte die Reform mit Preisstopp und erhöhtem Zwangsrabatt für verschreibungspflichtige Medikamente ohne Preisobergrenze wegen eines drohenden Elf-Milliarden-Defizits beschlossen. Fischer mahnte, es dürfe nicht nur auf die Kosten geschaut werden.

Hintergrund ist, dass im kommenden Jahr nun auch Preisverhandlungen zwischen den Kassen und den Pharmaherstellern beginnen sollen. Grundlage soll eine frühe Kosten-Nutzen-Bewertung neuer Medikamente sein. Doch seit Monaten verhandeln Kassen und Industrie bisher ergebnislos über die Kriterien der Verhandlungen.

Fischer forderte "politische Begleitung und Moderation". Es dürfe nicht sein, dass Innovationen blockiert werden, mahnte Fischer bei der Vorstellung des Arzneimittel-Atlas 2011 des Forschungsinstituts IGES. Der Spitzenverband der Kassen entgegnete, die Verhandlungen liefen konstruktiv und würden im kommenden Monat fortgesetzt.

"Es ist das alte Lied - kaum leistet die Pharmaindustrie einen kleinen Beitrag, wird gleich wieder nach dem Gesetzgeber gerufen", sagte Sprecher Florian Lanz. Der Vorstandschef der Barmer GEK, Christoph Straub, sagte, bei den neuen, teuren Arzneimitteln verlaufe die Dynamik ungebremst. "Das Schreckgespenst einer verminderten Verfügbarkeit oder gar Innovationsblockade ist völlig fehl am Platz.

 

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